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fit für PISA

In den Jahren von 2003-2009 wurde in insgesamt fünf Göttinger Grundschulen das Bewegungsprojekt „fit für PISA“ umgesetzt. Dabei nahmen ca. 300 Kinder an einer täglichen Sportstunde während ihrer Grundschulzeit teil.

Zur Förderung des täglichen Schulsports wurde 2002 das Interventionsprojekt „fit für PISA“ in Göttingen etabliert. Hierbei wurden die obligatorischen zwei Schulstunden Sport pro Woche durch drei weitere Sportstunden ergänzt. Der tägliche Schulsport wurde vom Allgemeinen Sport-Club Göttingen (ASC Göttingen von 1846 e.V.), der Ärztekammer Niedersachsen und dem Gesundheitsamt Göttingen in Kooperation mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und dem Psychologischen Institut der Universität Göttingen initiiert und kontinuierlich seit dem Schuljahr 2003/2004 durchgeführt. Der tägliche Sportunterricht von jeweils 45 Minuten pro Tag wurde für den ausgewählten Jahrgang durchgängig von Beginn bis zum Ende Grundschulzeit als Bestandteil des Pflichtunterrichts durchgeführt. Davon wurden zwei Stunden – wie in der Stundentafel für die Grundschule in Niedersachsen vorgesehen – von den Lehrern erteilt. Zusätzlich wurden, unter Berücksichtigung der Höchststundenzahl in der Grundschule, drei Stunden Sportunterricht durch außerschulische Übungsleiter des ASC Göttingen von 1848 e.V. wöchentlich gegeben, wofür zwei Verfügungsstunden und eine Fachstunde genutzt wurden.

In einem einjährigen Projektvorlauf wurden ab Oktober 2002 zunächst die Rahmenbedingungen für das Gesamtprojekt festgelegt und u.a. die personelle und räumliche Struktur der Grundschulen erfasst. Das Ziel der Entwicklung einer qualitativen und effektiven Interventionsmaßnahme erfolgte durch die Verknüpfung unterschiedlicher Kompetenzen der verschiedenen Kooperationspartner.

Mit Beginn des Schuljahrs 2003/2004 konnten drei Grundschulen in Göttingen mit jeweils zwei ersten Klassen für die Projektdurchführung gewonnen werden. Die Auswahl der Grundschulen erfolgte auf freiwilliger Basis, um die langfristige Teilnahme der Schulen und die Unterstützung aller Beteiligten zu gewährleisten. Das Projekt fand im Verlauf das Interesse weiterer Schulen, so dass in den folgenden Schuljahren zwei weitere Grundschulen in Göttingen mit insgesamt neun Klassen hinzukamen. Insgesamt wurde an fünf Grundschulen von der 1. bis zur 4. Klasse täglicher Sportunterricht durchgeführt. Die Kosten für die externen Übungsleiter wurden durch Förderer wie die Ärztekammer Niedersachsen, die Schulstiftung der Stadt Göttingen, die Toto- und Lotto-Stiftung, den Sportärztebund sowie den Verein zur Gesundheitsförderung gedeckt. Im Sommer 2005 bildete sich in einer der ersten lnterventionsschulen eine Elterninitiative mit dem Ziel, bei Übernahme der Kosten durch die Eltern vermehrten Sportunterricht auch in Klassen anzubieten, die nicht an dem Praxisprojekt „fit für PISA“ teilnehmen.

Umsetzung des täglichen Schulsports

Im Rahmen des Projekts wurden Anforderungen an die Durchführung des tägli­chen Schulsports formuliert. Alle fünf Sportstunden wurden als Einzelstunden über die Wochentage zweckmäßig verteilt, unterrichtet. Der   Projektunterricht sollte so oft wie möglich im Freien stattfinden, wenn die Witterung und die Inhalte der Lernbereiche dies ermöglichen. Die Grundschulen benötigten eine ausreichend große Sporthalle und genügend Sport- und Gerätematerial (Bälle, Seile, Reifen, Kästen, Bänke, Barren etc.). Da die Halle meist nicht täglich zur Verfügung gestellt werden konnte, mussten die Übungsleiter auf andere Räumlichkeiten ausweichen. So wurden z. B. Außenflächen, Schulhöfe, anlie­gende Parkanlagen, die Schulaula, Klassenräume oder auch die Pausenhalle für die täglichen Bewegungseinheiten genutzt. Themen wie Sport auf engstem Raum, Sport im Freien/auf dem Schulhof, Entspannung, Gymnastik und kleine Tänze wurden in den Projektunterricht implementiert und den räumlichen Kapazitäten angepasst. Durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Schulen und Projektteam konnten trotz hohen personellen Aufwands alle Interventi­onsklassen einzeln unterrichtet werden.

Unterrichtsinhalte und Methoden wurden – basierend auf den niedersäch­sischen Rahmenrichtlinien sowie dem Stand fachlich-wissenschaftlicher Kenntnisse – durch das Institut für Sportwissenschaft der Universität Göttin­gen und dem ASC Göttingen von 1846 e.V. entwickelt und kontinuierlich optimiert. Die Aufbereitung und Vermittlung des täglichen Schulsports wurde für die beson­deren Bedingungen des Settings sowie der Erfordernisse der Grundschüler angepasst. Der bedarfsorientierte Projektunterricht wurde koedukativ durch­geführt. Schwerpunkt des interventionsbezogenen Sportunterrichts ist die kindgemäße Förderung der motorischen Grundfertigkeiten, d.h. Schulung der Koordination, Verbesserung des Gleichgewichts, der Orientierungsfähig­keit sowie Schaffung von Vorstellungsfähigkeit, Einschätzung von Gefahren und Erkennen des eigenen Belastungspotenzials. Die vorgegebenen Lernziele und -inhalte des Projektunterrichts sind für alle Übungsleiter der Interventi­onsklassen verbindlich.

Die Begleitevaluation zeigte, dass das Projekt organisatorisch ohne größere Probleme umsetzbar war.  Effekte in Teilbereichen der  motorischen Leistungsfähigkeit und bei der Stärkung des Selbstwertgefühls der Kinder bestätigen den Erfolg. Die Kinder nahmen mit großer Begeisterung am täglichen Schulsport teil. Mehr als 70 Prozent waren zum  Ende des Projekts in einem Göttinger Sportverein.

Im Rahmen einer Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde eine Evaluation zur Nachhaltigkeit des „fit für PISA“ Projektes durchgeführt. Es zeigte sich, dass die Interventionskinder auch zwei Jahre nach Beendigung der Projektphase noch in einem Sportverein aktiv waren. Außerdem verbrachten sie signifikant weniger Zeit vor dem Fernseher und nahmen sich selbst als ausgeglichener und beweglicher wahr. Eltern sowie Lehrer berichteten über eine gesteigerte Freude der Kinder am Sport sowie eine erhöhte Motivation zum Freizeitsport und neuen Sportarten.

Aufgrund der positiven Erfahrungen haben sich die Initiatoren von „fit für PISA“ entschlossen, ein neues Projekt, „fit für PISA Plus“, auf den Weg zu bringen.